Heute habe ich wieder ein Buch für euch, dass ich über Blogg dein Buch rezensieren darf. Zuerst darf ich einen herzlichen Dank an den Picus Verlag schicken, der mir dieses Buch freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat – vielen Dank!!
Geschrieben von Schulamit Meixner, hat mich “ohnegrund” wegen dem interessanten Klappentext angelockt:
Amy geht nach Tel Aviv, um zu studieren. Sie ist die vernachlässigte Tochter zweier Künstler in London. Amy heißt eigentlich Emily, und so viel, wie von ihr erwartet wird, kann sie gar nicht leisten. Daher beschließt sie, gerade in Tel Aviv angekommen und außer Reichweite ihrer Eltern, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie verliebt sich in den jungen, idealistischen Israeli Nimrod, die beiden heiraten und bekommen eine Tochter, Sharona. So groß ihre Liebe ist, so groß ist jedoch auch Nimrods Idealismus als Sozialarbeiter. Amy nimmt tatenlos hin, dass Nimrod seine Ziele mit Hingabe verfolgt und sie und Sharona zurücklässt.
Zehn Jahre später: Amy ist alleinerziehende Mutter in London. Was im Leben ihres Mannes passiert ist, was ihrem Vater zugestoßen ist, das möchten Amy und Sharona ergründen, doch tut es jede für sich selbst. Erst durch das Einfühlungsvermögen von Amys Tante Lisa gelingt es, die beiden ein wenig näher aneinander und auch an die Wahrheit heranzuführen.
Klingt doch spannend, oder? Das Cover zeigt ein über einen verlassenen Strand hinwegfliegendes Flugzeug. Sowohl dieses Bild als auch der Titel “ohnegrund” spiegeln perfekt die Story des Buches wider, denn Amy, die Hauptprotagonistin ist ein entwurzelter Mensch, der nie wirklich Halt gefunden hat, sondern eher einsam und verlassen aufgewachsen ist.
Die Autorin Schulamit Meixner wurde 1968 geboren und studierte Judaistik und Theaterwissenschaft in Wien, wo sie bis 2006 lebte und arbeitete, bis sie nach London umzog, wo sie heute mit ihrer Familie lebt.
Wie immer habe ich natürlich auch einen Link für euch, wo ihr das Buch bestellen könnt. Erhältlich ist es für 19,90 Euro inkl. MWSt.
Meine Meinung:
Diess Buch ist schwierig zu beurteilen. Hätte ich die Rezension gestern gleich nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, geschrieben, wäre sie vermutlich etwas anders ausgefallen. Dann hätte ich gesagt, dass das Buch einfach nur so dahinplätschert, ohne viel in die Tiefe zu gehen, oder dem Leser die Chance zu geben, sich allzu tief in die Handlungen und Gefühle der Hauptfigur Amy hineindenken zu können.
Die Geschichte beginnt viel zu abrupt irgendwo in der Mitte, sodass man das Gefühl hat, den Anfang verpasst zu haben. Zwar werden die Zusammenhänge im Laufe der Geschichte nach und nach erklärt, jedoch finde ich das ein bisschen mühsam. Richtig störend ist jedoch das Ende, denn das wirkt, als hätte man einfach einen Fuß oder einen Arm der Geschichte ziemlich rabiat abgesägt. Denn es hört mehr oder weniger in der Mitte eines Satzes auf.
Lässt man die Geschichte jedoch ein bisschen sacken, so ändert sich die Meinung zumindest im Bezug auf die Hauptfigur Amy. Der abrupte Einstieg und das abgehackte Ende bleiben zwar stehen, jedoch beginne ich Amy besser zu verstehen. Ihre Eltern haben sich großteils nicht um sie selbst gekümmert, sie hat nie gelernt, zu sagen, was SIE will, denn immer zählte nur, was die beiden Eltern, ein Künstlerpaar, wollte. Die Mutter immer auf Reisen und mit ihren Skulpturen beschäftigt, der Vater oft wochenlang abgekapselt und mit seinen Bildern beschäftigt.
Also ergreift Amy die erste Chance, die sich ihr in diesem doch bekannten aber irgendwie auch fremden Isreal bietet, um von ihren Eltern wegzukommen: sie heiratet überstürzt Nimrod, einen starken, selbstbewussten Israeli. Doch auch hier schafft sie es nicht, sie selbst zu sein und zu sagen, was sie will. Und so verschwindet Nimrod und Amy muss 10 Jahre später feststellen, dass sie die selben Fehler mit ihrer gemeinsamen Tochter Sharona begeht, die ihre Eltern gemacht haben…
Die Geschichte befindet sich also im Zwiespalt. Auf den ersten Blick betrachtet leichte Lektüre, die einfach so dahinplätschert, ohne viel Tiefe. Und doch fordert sie, gibt Rätsel auf und einen schönen Einblick in die jüdische Kultur und auch nach Israel und im speziellen Tel Aviv.
Positiv fällt die im hinteren Teil angehängte jüdische Worterklärung auf. Denn immer wieder tauchen neben eher bekannteren Worten wie “Masal Tov” oder “Chuppa” auch andere jüdische Begriffe auf, die nicht jeder kennt. So lässt sich die Bedeutung relativ schnell und unkompliziert nachschlagen.
Für das Buch gibt es 3,5 von 5 Sternen, weil die Geschichte zu plötzlich beginnt und noch plötzlicher aufhört. Gerade auf den letzten Sätzen geht auf einmal das Ende verloren und es wird total abgelenkt. Und gerade als man denkt: “hey, ein neues Kapitel beginnt, jetzt gehts zum Showdown!” passiert nix – weil das Buch zu Ende ist. Hier geht viel Substanz und Geschichte verloren, leider!!




